Lokalisierung oder: Chinesen feiern Fasching nicht.

Eine Übersetzung kann viel mehr sein als reine Sprachanpassung: das Übertragen von Inhalten und Medien in eine andere Kultur. Lokalisierung eben.

Eine Studie belegt, dass Personen länger auf einer Website in ihrer Muttersprache verweilen als auf einer Website in einer anderen Sprache, die sie beherrschen. Die eigene Muttersprache ist eben etwas ganz Besonderes. Und: Andere Länder, andere Sitten. Und andere Werte, andere Lebensweisen, andere Vorschriften, andere Interpretationen und so weiter. Übersetzungsdienstleistungen, die das und noch viel mehr berücksichtigen, heißen Lokalisierung – ein Dienstleistungsbereich innerhalb der Übersetzungsbranche also, in dem nicht nur Wörter übersetzt werden: Lokalisierung ist ein Anpassungsprozess von Produkten und Dienstleistungen an die unterschiedlichen Gegebenheiten einzelner Länder und Märkte.

Nicht nur numerische Datums- und Zeitformate oder diverse Währungen und technische Spezifikationen unterscheiden sich oft von Land zu Land. Auch Symbole, Zeichen und Farben sowie Grafiken und Schlagwörter können in bestimmten Kulturkreisen anders wahrgenommen werden als im Ausgangsland der Übersetzung. In manchen Ländern oder Kulturen werden Begriffe und Zeichen vielleicht sogar als negativ oder zumindest unsensibel aufgefasst, wenn nicht lokalisiert, sondern lediglich übersetzt wurde. Lokalisierung passt die vorgegebenen Inhalte an all diese Eigenheiten der Zielsprache an. Je nach vorliegendem Medium kann es sogar notwendig sein, Logik, Design und Dokumentation eines Produktes umfassend zu überdenken, da Wahrnehmungen, Vorstellungen und Erwartungshaltungen eines Zielmarktes von jenen der Ursprungskultur abweichen können.

Insbesondere Softwarenutzer erwarten, dass ihre Anwendung nicht nur in der Muttersprache, sondern auch in einer für sie kulturell verständlichen Weise verfügbar ist. Um dies zu gewährleisten, umfassen Lokalisierungsprozesse durchaus auch klassische Übersetzungsarbeiten. In den meisten Fällen ist jedoch eine Lokalisierung nötig. Für Anbieter, die ihre Waren und Dienstleistungen weltweit anbieten, kann es also sinnvoll sein, sich an spezialisierte Dienstleister zu wenden.

Diese Lokalisierungsunternehmen verfügen über die entsprechende Infrastruktur, um interkulturelle Wissenstransfers zu gewährleisten: zum einen über Fachübersetzer mit profunden Kenntnissen der spezifischen kulturellen Gegebenheiten einer Region, zum anderen werden spezielle IT-Tools genutzt. Diese Übersetzer-Software, so genannte Translation Memory Tools, versetzen die Übersetzer in die Lage, übersetzte Sprachbausteine in einer Datenbank zu speichern und immer wieder zu verwenden. So kann der Übersetzer einer Software während des Übersetzungsvorgangs prüfen, wie sich die jeweilige Übersetzung auf die Benutzeroberfläche der Software auswirkt. Denn übersetzte Wörter entsprechen sich visuell nicht immer eins zu eins. Das deutsche Wort „Abbrechen“ beispielsweise ist deutlich länger als das englische Äquivalent „Cancel“, was Änderungen der Grafik zur Folge haben kann.

Ziel der Lokalisierung ist es also, Software-Benutzeroberflächen oder Marken-Images und Produkte so zu modifizieren und zu präsentieren, dass sie von Kunden in den unterschiedlichsten Sprachen und Märkten intuitiv benutzt werden können. Was bei einer reinen Übersetzung nicht unbedingt der Fall sein muss: Man stelle sich nur ein Kalender-Tool für den PC vor, bei dem die Software in China entworfen und für die europäische Nutzung einfach übersetzt worden wäre. Dann würden wir Silvester irgendwann im Januar feiern, statt Ostern gäbe es das Mondfest, statt Weihnachten das Frühlingsfest und Fasching fiele ganz aus. Ohne Lokalisierung eine Narretei.

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