Translation Memory und Terminologiedatenbank – Warum wir beides brauchen

Manches, was für uns als Sprachdienstleister selbstverständlich und damit kaum der Rede wert zu sein scheint, verdient doch unsere Aufmerksamkeit. Zum Beispiel wenn wir gefragt werden, warum es zwei verschiedene Systeme gibt, um Übersetzungen zu speichern: das Translation Memory-System und die Terminologiedatenbank. Worin besteht eigentlich der Unterschied?

Unsere Antwort ist, dass beide Systeme unterschiedliche Aufgaben haben, man sie aber am besten miteinander kombiniert:

Ein Translation Memory-System ist ein Übersetzungsspeicher und hilft den Übersetzern, indem es Textbausteine bereitstellt, die bereits übersetzt wurden und somit wiederverwendet werden können. Um diese Verarbeitung zu ermöglichen, wird jeder übersetzte Text segmentweise im Translation Memory (TM) gespeichert. Neue Texte werden wiederum vor der Übersetzung in einzelne Segmente aufgeteilt, damit diese mit dem TM abgeglichen werden können. Ein Segment entspricht meist einem Satz, da Beginn und Ende eines Segments unter anderem durch Satzzeichen definiert wird.

Während des Übersetzens sucht das TM-System bei jedem neuen Segment per Algorithmus nach Übereinstimmungen im Übersetzungsspeicher und zeigt relevante Treffer an. Diese Vorschläge können die Übersetzer dann einfügen und wenn nötig anpassen.

In einer Terminologiedatenbank hingegen werden nur einzelne Wörter und sehr kurze Phrasen hinterlegt. Diese Datenbank erfüllt die Funktion eines Wörterbuchs und dient dazu, gezielt Informationen wie Fachbegriffe und Definitionen festzuhalten. Zu diesen können auch noch weitere Metadaten gespeichert werden wie z. B. „Verbotener Term“ oder Kontextinformationen bis hin zu Bildern.

Die Terminologie wird zunächst in der Ausgangssprache festgelegt und kann dann in den verschiedenen Zielsprachen nachgezogen werden. Es geht dabei um größtmögliche Kontrolle der verwendeten Schlüsselbegriffe in einem Text – und in der Konsequenz um Konsistenz. Konsistente Terminologie ist ein wichtiger Faktor für klare Unternehmenssprache, um Missverständnissen vorzubeugen und ein einfaches Verständnis der Texte zu gewährleisten. Mit konsistenter und klarer Terminologie prägen Unternehmen ihre Marke und grenzen diese vom Wettbewerb ab.

Bleibt immer noch die Frage, warum nicht einzelne Schlüsselbegriffe und kurze Phrasen genauso wie längere Segmente in einem einzigen System gespeichert werden? Warum gibt es dafür zwei verschiedene?

Das liegt daran, dass ein TM in erster Linie auf Quantität basiert und die Terminologiedatenbank auf Qualität. Das TM dient dazu, bereits vorhandene Texte nicht immer wieder neu übersetzen bzw. abtippen zu müssen.* Die Terminologie, also einzelne Schlüsselbegriffe innerhalb eines Textes, ist eine qualitative Festlegung, die verhindern soll, dass Missverständnisse darüber entstehen, was gemeint ist. Entsprechend unterschiedlich sind die beiden Systeme auch in ihrem Aufbau.

Beide Systeme kombinieren die Übersetzer nun miteinander: Einerseits werden ihnen aus dem TM Übersetzungsvorschläge angeboten, die sie anpassen können. Andererseits wird ihnen über die an das System gekoppelte Terminologiedatenbank signalisiert, dass sich im zu übersetzenden Segment ein festgelegter Begriff befindet. Die Übersetzer müssen diesen Begriff also nicht recherchieren, da sie ihn direkt angezeigt bekommen, sobald er im Text vorkommt. Ein gutes Translation Memory-System ermöglicht zudem die automatische Prüfung der verwendeten Terminologie aus der Terminologiedatenbank als Teil des Qualitätssicherungsmechanismus.

Fazit: TM-System und Terminologiedatenbank haben unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich, indem die Terminologiedatenbank den Übersetzern hilft, festgelegte Begriffe konsistent zu verwenden. Das TM-System unterstützt dabei, Sätze oder Phrasen wiederzuverwenden, die bereits übersetzt worden sind, was Zeit und Geld spart. Beide Systeme in Kombination bilden eine ideale Arbeitsumgebung für die Übersetzer, um effizient konsistente und qualitativ hochwertige Übersetzungen anzufertigen.

* Die Vorschläge basieren jedoch allein auf der Übereinstimmung der Schriftzeichen, sagen also nichts darüber aus, ob der Inhalt im Kontext wirklich korrekt ist bzw. welche Variante zu bevorzugen ist, falls es mehrere unterschiedliche Treffer gibt.