Effiziente Reviews: Wissensfrage und Sisyphos-Arbeit

Berlin, 07.05.2020

 

Freigaben in Übersetzungsprozessen können komplex sein: Geht es um Änderungen oder Korrekturen? Welche Vorgaben gelten? Durch welche Hände muss es gehen? Und vor allem: muss das denn alles sein? Im Whitepaper steht, warum Gemino darauf Antworten hat und wie aus einfachem Überprüfen sinnstiftende Erkenntnisse gewonnen werden …

 

Für unsere Kunden sind Reviews schon aus regulatorischen Gründen oft unumgänglich. Meistens lästig, manchmal frustrierend und fast immer zeitaufwändig. Wir wissen das. Wir kennen die wichtigste Frage unserer Kunden: Wie können mehrsprachige Freigabeprozesse so effizient wie möglich gestaltet werden? Die Antwort: Je mehr wir wissen, desto weniger Arbeit haben Sie.

 

Review als Feedback: Wissen ist gut

Weil wir bei Gemino nicht (immer) zu allen Hintergründen vorab gebrieft werden (können), werten wir die Reviews aus, die Sie uns zurückspielen. Wir überprüfen die Änderungen, kategorisieren sie und übertragen sie schließlich in die finalen Dateien und das CAT-Tool bzw. die Translation Memorys.

Der Review ist also nicht nur die Freigabe eines einzelnen Dokuments, sondern potenziell allgemeingültiges Feedback. Wir wollen verstehen, was geändert wurde, und im besten Fall Rückschlüsse ziehen, damit bei der nächsten Übersetzung vielleicht weniger Änderungen anfallen.

Nicht selten müssen wir dafür aber auch zwischen den Zeilen lesen: Denn es geht nicht nur um Terminologie, Bedeutung oder Bewertung im jeweiligen Kontext. Von Dokument zu Dokument ändern sich oft auch Intentionen, Zusammenhänge, unternehmerische Ziele, Vorgaben und Zwischentöne.

 

Review als Teil des Workflows: Vorher Wissen ist besser

Wir empfehlen entsprechend der individuellen Anforderungen im Vorfeld Workflows für die Länderreviews zu „konfigurieren“. Dabei werden konkrete Rollen, Zielsetzungen und Abläufe definiert, um unnötigen Arbeitsaufwand sowie Unklarheiten und Fehler zu vermeiden. Content und Mensch werden dabei aufeinander vorbereitet:

 

Profil Herausforderung Vorbereitung
Reviewer/in
  • kundenseitiger Experte im Zielland
  • kennt den spezifischen Markt
  • kennt die beim Kunden übliche Terminologie und den Stil der Kommunikation
  • kann fachlich extrem relevanten und spezifischen Input liefern ist jedoch in der Regel kein Linguist
  • führt die Reviews nur als Nebenaufgabe aus
  • war vermutlich nicht bei der Erstellung des Inhaltes involviert (Ausgangsdokument)
  • ist durch seine Tätigkeit nur wenig am Übersetzungsprozess interessiert
  • versteht unter Umständen nicht die Sprache, in der die Ausgangsdokumente erstellt wurden

 

Benötigt zum effizienten Review klare, einfache Vorgaben, was zu Prüfen und wie zu ändern/kommentieren ist.
Übersetzer/in
  • hat Erfahrung in Bezug auf die Inhalte des Kunden
  • die Expertise ist beschränkt, da er oder sie nicht exklusiv für diesen Kunden tätig ist

 

  • muss eine korrekte, sprachlich-optimale, finale Übersetzung liefern, deren Aussage identisch mit der des Ausgangstextes ist
  • um Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen ist eine objektive und konstruktive Einschätzung der Zusammenhänge nötig
Der Übersetzer benötigt möglichst schon vor der Erstübersetzung die klar definierte allgemeine Zielsetzung sowie konkrete Anweisung zur Umsetzung.

 

Viele Ziele, viele Interessen, viele Sprachen

Das stete Verbessern liegt im System begründet: In mehrsprachigen Freigabeprozessen treffen unterschiedliche Ziele und Interessen aufeinander, die sich immer wieder ändern:

  • Unternehmen müssen allgemeine, regulatorische Anforderungen erfüllen und diese in praktikable, effiziente und sichere Prozesse umwandeln.
  • Die Reviewer für die Produkte bzw. die Zielsprachen möchten ihren individuellen Aufwand für die Freigabe und Dokumentation möglichst gering halten.
  • Vertriebsverantwortliche wünschen sich schnelle und reibungslose Freigabeverfahren, um eine zeitgerechte Auslieferung in die Zielmärkte zu gewährleisten.
  • Die Sprachdienstleister sind aufgefordert, sich um eine konforme Umsetzung der Änderungen in Dokumenten und Translation Memorys zu kümmern und die Ergebnisse gegebenenfalls auszuwerten.
  • Der Kunde soll keine Übersetzungsfehler korrigieren und nichts nachholen müssen, was im Vorfeld hätte geschehen können.
  • Optimieren & Kommunizieren: Verbesserungen müssen evaluiert und die entsprechenden Informationen allen Beteiligten sinnvoll zur Verfügung gestellt werden.

So notwendig Reviews auch sind – oft werden sie eher unfreiwillig gemacht, denn jede Änderung bedeutet Mehraufwand. Doch nicht jede berechtigte Änderung kann als Mangel an der Übersetzung gesehen werden. Daher ist es uns wichtig, Änderungen nicht nur für uns qualitativ zu evaluieren, sondern auch unseren Auftraggebern eine Auswertung zukommen zu lassen. Was zählt, ist, dass am Ende des Prozesses ein möglichst gutes Dokument entsteht, das bei den Personen, die das Dokument nutzen, seinen Zweck erfüllt. Und wenn wir diese Personen am Übersetzungsprozess beteiligen können, hat das nur Vorteile.

Unsere Erkenntnis aus 25 Jahren als Sprachdienstleister: Den perfekten Freigabeprozess gibt es (noch) nicht. Aber man kann sich dem Ideal immer wieder neu und besser nähern.

Wir sehen das wie Albert Camus: „Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“